Dechemax, DECHEMA-Schülerclub für Chemische Technik und Biotechnologie
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SCHÜLERINITIATIVE FÜR CHEMISCHE TECHNIK UND BIOTECHNOLOGIE  

Schön, schlank, schlau - Erfolg aus der Pillendose?


Viagra In den letzten Jahren hat sich neben den "klassischen" Drogen, die vor allem wegen ihrer Rauschwirkung konsumiert wurden, ein neuer Trend entwickelt - die sogenannten "Lifestyle-Drogen". Lifestyle-Drogen verursachen in der Regel keinen Rausch im eigentlichen Sinne. Wer sie nimmt, erhofft sich stattdessen, dass seine Leistungsfähigkeit erhöht wird - ob beim ausgedehnten Feiern, für lange Arbeitszeiten, beim Lernen oder beim Sex.

Der Begriff "Lifestyle-Drogen" ist nicht scharf gefasst. Während manche darunter auch illegale "Partydrogen" wie Ecstasy oder Kokain verstehen, meinen die meisten Experten mit Lifestyle-Drogen im engeren Sinne Medikamente, die in der Medizin zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Zu Lifestyle-Drogen werden sie dann, wenn gesunde Menschen sie ohne medizinischen Grund und ohne ärztlichen Rat einnehmen, um leistungsfähiger, schlanker oder schlauer zu sein. Eigentlich also alles Dinge, die erstrebenswert sind - aber der Preis für den vermeintlich "bequemen" Weg kann hoch sein.

Zu den bekanntesten und meist verbreiteten Lifestyledrogen gehören Aufputschmittel und Wachmacher wie Amphetamine, die medizinisch bei Narkolepsie eingesetzt werden, Betablocker, die eigentlich bei Herz-Kreislauferkrankungen als Blutdrucksenker gedacht sind, aber als Beruhigungsmittel geschluckt werden, Ritalin, das beim Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS verordnet, aber von gesunden Menschen zur Steigerung der Konzentration genommen wird. Ohne ärztliche Kontrolle können solche Medikamente schwere Nebenwirkungen auslösen. Viele Konsumenten kombinieren außerdem mehrere Medikamente: Aufputschmittel, um wach und "gut drauf" zu sein für den Tag, abends dann das Schlafmittel für die Nachtruhe. Die Liste derer, die diesen Lebensstil nicht lange überlebt haben, wird immer länger: Marylin Monroe, Elvis Presley, Romy Schneider, Michael Jackson...

Ein Symbol für den Einsatz von Medikamenten zur Leistungssteigerung wurde in den 90er Jahren Viagra®. Die blauen Pillen waren ursprünglich zur Behandlung von Herzkrankheiten entwickelt worden. Ihre potenzsteigernde Wirkung wurde eher zufällig im Rahmen der klinischen Tests entdeckt. Als sich herausstellte, dass die Pillen nicht den gewünschten Effekt hatten, wurde die Studie abgebrochen. Doch die Männer, die das Medikament im Rahmen der Tests eingenommen hatten, gaben die angebrochenen Schachteln nicht zurück. Als man der Sache nachging, entdeckte man die "Nebenwirkung".

Was Stoff für viele anzügliche Witzchen und Skandalgeschichten war, hat gleichwohl sehr ernste Auswirkungen: Der unkontrollierte Einsatz von Viagra® als Potenzmittel kann gefährlich sein. Zwar ist unklar, wieviele Menschen nach Einnahme von Viagra® ums Leben gekommen sind, aber man geht davon aus, dass es allein in Europa mehrere hundert Fälle waren, die, mitverursacht durch Vorerkrankungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zum Tod geführt haben.

Frage 1 (Klassenstufe 7-11)


Das entscheidende Molekül, das im Körper beim Einsatz von Viagra® ausgeschüttet wird, bewirkt die Entspannung der Blutgefäßmuskeln und verlängert dadurch die Erektion.

Um welches Molekül handelt es sich dabei?

Kohlenmonoxid
Stickstoffmonoxid
Stickstoffdioxid

Lösung:
Stickstoffmonoxid






Warum führt man dieses Molekül dem Körper nicht einfach direkt zu?



Lösung:
Als Reinstoff handelt es sich dabei um ein giftiges Gas; deshalb kann es nicht direkt eingesetzt werden, sondern wird über den Umweg von Medikamenten an Ort und Stelle im Körper erzeugt.

Zusatzfrage Klasse 9 bis 11


Viagra® und viele andere Medikamente, die als Lifestyle-Drogen genommen werden, sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Besonders "schlaue" Leute umgehen das Arztrezept und versuchen außerdem Geld zu sparen, indem sie die Medikamente im Internet ordern. Doch damit gehen sie eine ganze Reihe zusätzlicher Risiken ein, denn über das Internet werden in erheblichem Umfang Medikamenten-Fälschungen vertrieben. Bei Testkäufen waren teilweise die Hälfte der gekauften Pillen gefälscht. Im besten Fall enthalten sie keinen Wirkstoff, aber es gibt auch Tabletten, die zuviel oder einen ganz anderen Wirkstoff enthalten oder sogar giftige Beimischungen wie Schwermetalle. Besonders bei vermeintlichen Schlankheitsmitteln hat es dadurch auch in Deutschland schon Todesfälle gegeben.

Ein Apotheker untersucht vier verschiedene angebliche Viagra®-Tabletten, die über das Internet bestellt wurden. Den Wirkstoff Sildenafil enthält keine der vier:

  wasserlöslich Lackmus-Test
Iodtinktur
mit Methanol und konz. Schwefelsäure erhitzen
Fehling-Reagenz
Tablette 1
ja
neutral 
gelblich-braun
schaumig-schwarze Masse
positiv
Tablette 2
ja, Gasentwicklung
basisch 
gelblich-braun
starke Gasentwicklung  negativ
Tablette 3
ja
sauer 
gelblich-braun
grüne Flammenfärbung beim Entzünden des Dampfes
negativ
Tablette 4
nein 
neutral 
blau 
 
negativ

Er findet heraus, dass die Tabletten statt des Wirkstoffes folgende Stoffe enthalten:
a) Stärke
b) Zucker
c) Backpulver
d) Borsäure

Welche Tablette enthält was? Ordnet die Inhaltsstoffe den Tabletten zu.
Tablette 1:



Lösung:
Zucker






Tablette 2



Lösung:
Backpulver






Tablette 3



Lösung:
Borsäure






Tablette 4:



Lösung:
Stärke






Drei der Tabletten sind wenigstens harmlos, aber eine kann zu körperlichen Schäden führen - welche?



Lösung:
Tablette 3 - Borsäure ist fruchtschädigend. Übrigens ist Borsäure tatsächlich schon in Medikamentenfälschungen aufgetaucht, z.B. mit Bleifarben gelb gefärbt und mit Bodenwachs überzogen als Fälschung eines bekannten Schmerzmittels.

Zusatzfrage für die Klasse 11


Vor einem Jahr kursierten im Sommerloch Berichte darüber, dass Wassermelonen den gleichen Effekt haben könnten wie Viagra®. Genaugenommen ging es dabei um den Inhaltsstoff Citrullin, der auch im menschlichen Körper selbst als Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus entsteht.
Arginin, ebenfalls ein Produkt des Harnstoffzyklus, ist in Spargel in großen Mengen enthalten, weshalb auch dieser immer wieder als potenzfördernd angepriesen wird.
Im Harnstoffzyklus entsteht nämlich genau der Stoff - nennen wir ihn Stoff X - nach dem wir in Frage 1 gefragt haben.
Wassermelonen wie Spargel sind als Viagra®-Ersatz dennoch nicht perfekt geeignet, da sie andere Stoffwechselwege zur Synthese von Stoff X benutzen als Viagra®. Der potenzfördernde Effekt, wenn es ihn überhaupt gibt, stellt sich hier erst nach Tagen ein.
Harnstoffzyklus
Ausschnitt aus dem Harnstoffzyklus

Arginin und Citrullin sind Aminosäuren, ebenso wie das Ornithin, das ebenfalls im Harnstoffzyklus entsteht.

Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen.
Welche dieser drei Aminosäuren könntet ihr in einem Protein wiederfinden?

Arginin
Citrullin
Ornithin

Lösung:
Arginin
Es gibt -grob gesagt- 20 Aminosäuren, die als Bausteine von Proteinen Verwendung finden. Dazu gehört Arginin, nicht aber Ornithin und Citrullin.




Ein anderes Molekül, das ihr bestimmt in einem ganz anderen Zusammenhang kennt, wird im Körper durch Esterasen aufgespalten (hydrolysiert), wobei ebenfalls Stoff X entsteht. Es findet tatsächlich auch als Medikament Verwendung, so unglaublich das klingen mag. Allerdings wirkt sich Stoff X hier hauptsächlich auf die Herzmuskulatur aus, so dass dieses Molekül bei bestimmten Herzerkrankungen Verwendung findet. Hier seht ihr die Strukturformel dieses Moleküls:
Molekuel

Wie heißt es?



Lösung:
Nitroglycerin
Der sonst eher als Sprengstoff bekannte Stoff wird tatsächlich wegen seiner (bzw. der des NO) gefäßerweiternden Wirkung als Herzmedikament eingesetzt.

© DECHEMA e.V. 1995-2012, Last update 07.09.2010


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8 February 2012 | 10:41 am

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